Kennst du das? Du liest deine Zusammenfassung dreimal durch, alles kommt dir bekannt vor, und in der Klausur fällt dir trotzdem die Hälfte nicht ein. Wiedererkennen ist nicht dasselbe wie Erinnern. Eine Lernkartei zwingt dich dazu, die Antwort selbst aus dem Gedächtnis zu holen, und sie sorgt dafür, dass du deine Zeit in die Karten steckst, die du noch nicht kannst. Genau deshalb ist sie seit Jahrzehnten eine der bekanntesten Lernmethoden in Schule und Studium.
Was ist eine Lernkartei nach Leitner?
Die Lernkartei geht auf den Wissenschaftsjournalisten Sebastian Leitner zurück, der sie in den 1970er-Jahren in seinem Buch „So lernt man lernen“ beschrieben hat. Die Idee ist einfach: Du schreibst den Lernstoff auf Karteikarten, mit einer Frage auf der Vorderseite und der Antwort auf der Rückseite. Die Karten kommen in einen Karteikasten, der in mehrere Fächer unterteilt ist. In welchem Fach eine Karte steckt, zeigt dir, wie gut du sie kannst.
Der große Vorteil gegenüber einem einfachen Stapel: Du lernst nicht jeden Tag alles, sondern gezielt. Karten, die sitzen, verschwinden für eine Weile aus deinem Blickfeld. Schwierige Karten kommen immer wieder, bis auch sie sitzen.
So funktionieren die Fächer
Die klassische Lernkartei hat fünf Fächer, die von vorne nach hinten größer werden. So gehst du vor:
- Alle neuen Karten kommen in Fach 1 Dieses Fach wiederholst du am häufigsten, am besten jeden Tag.
- Gewusst? Ein Fach weiter Wenn du die Antwort richtig wusstest, bevor du umgedreht hast, wandert die Karte ins nächste Fach.
- Nicht gewusst? Zurück an den Anfang Eine Karte, die du vergessen hast, kommt zurück in Fach 1, egal in welchem Fach sie vorher war.
- Hintere Fächer seltener Fach 2 nimmst du dir zum Beispiel alle paar Tage vor, Fach 3 einmal pro Woche und so weiter. Je weiter hinten, desto größer der Abstand.
- Fertig ist eine Karte, wenn sie Fach 5 schafft Dann hast du sie mehrfach über längere Zeit richtig gewusst und kannst sie aussortieren oder kurz vor der Prüfung noch einmal ansehen.
Sei beim Umdrehen ehrlich zu dir. „Hätte ich fast gewusst“ zählt als nicht gewusst. Sonst landen Karten zu weit hinten und fehlen dir in der Prüfung.
Leitner und verteilte Wiederholung
Hinter der Lernkartei steckt ein Prinzip, das heute meist unter dem Namen verteilte Wiederholung oder Spaced Repetition bekannt ist. Was du gerade gelernt hast, vergisst du anfangs schnell. Jedes Mal, wenn du es dir erfolgreich wieder ins Gedächtnis rufst, hält es länger. Deshalb ist es sinnvoll, eine Karte nicht zehnmal hintereinander, sondern mit wachsenden Abständen zu wiederholen, idealerweise kurz bevor du sie vergessen würdest.
Der Leitner-Kasten setzt das mit Papier und festen Fächern um. Digitale Lernprogramme gehen einen Schritt weiter: Sie berechnen für jede einzelne Karte, wann sie wieder dran ist, und berücksichtigen dabei, wie oft du sie schon gewusst oder vergessen hast. Das Prinzip bleibt dasselbe, nur musst du dir die Termine nicht mehr selbst merken.
Die Lernkartei in EasyPalmCards
Im Karteikarten-Modus von EasyPalmCards übernimmt ein Lernplan nach dem SM-2-Verfahren die Arbeit des Karteikastens. Jeden Tag zeigt er dir die Karten, die heute fällig sind. Wusstest du eine Antwort, rückt die nächste Wiederholung weiter in die Zukunft. Wusstest du sie nicht, kommt die Karte bald wieder. Am Handy wischst du einfach nach rechts, wenn du die Antwort wusstest, und nach links, wenn du die Karte noch üben musst.
- Lernen, Test und Zuordnen: drei Arten, deine Karten abzufragen, alle kostenlos und ohne Werbung.
- Lernserie und fällige Karten: Du siehst, wie viele Karten heute dran sind und wie viele Tage in Folge du gelernt hast.
- Fortschritt auf dem Gerät: Ohne Konto wird dein Lernstand in deinem Browser gespeichert. Mit Gold wird er synchronisiert, sodass du am Handy weiterlernst, wo du am Laptop aufgehört hast.
- Import und Export: Kartensets aus Quizlet, als CSV oder aus Anki übernimmst du direkt, statt alles neu zu tippen.
Wenn du lieber mit einer Vorlage startest, findest du unter Vorlagen fertige Gerüste. Was Free und Gold jeweils enthalten, steht auf der Seite Funktionen.
Gute Karteikarten schreiben
Eine Lernkartei ist nur so gut wie ihre Karten. Diese Regeln helfen:
- Eine Frage pro Karte. Lieber zehn kleine Karten als eine, auf der ein ganzes Kapitel steht. Kleine Karten kannst du klar als gewusst oder nicht gewusst einordnen.
- Als Frage formulieren. „Ursachen der Französischen Revolution?“ funktioniert besser als die Überschrift „Französische Revolution“. So weißt du genau, was du abrufen sollst.
- Kurze Antworten. Die Rückseite sollte in ein paar Sekunden zu prüfen sein. Bei langen Antworten teilst du die Karte auf.
- In eigenen Worten. Wer umformuliert, muss den Stoff verstehen. Wörtlich abschreiben lohnt sich nur bei Definitionen, die du genau so wiedergeben musst.
- Aktiv abrufen. Sag die Antwort laut oder schreib sie auf, bevor du umdrehst. Nur dann merkst du wirklich, ob du sie kannst.
Vokabeln mit der Lernkartei
Für Vokabeln ist die Lernkartei wie gemacht. Schreib auf die Vorderseite das Wort in der Fremdsprache und auf die Rückseite die deutsche Bedeutung, gern mit einem kurzen Beispielsatz. Lerne in beide Richtungen: Vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen ist leichter als umgekehrt, und in der Klausur brauchst du meistens beides.
Vorderseite: to take something for granted
Rückseite: etwas für selbstverständlich halten. Beispielsatz: We often take clean water for granted.
Nimm dir lieber jeden Tag ein paar neue Wörter vor als einmal pro Woche einen riesigen Stapel. So bleibt Fach 1 überschaubar und du kommst mit den Wiederholungen hinterher.
Für Klausur und Abi lernen
In fast jedem Fach gibt es Stoff, der sich gut auf Karten bringen lässt: Fachbegriffe in Biologie, Daten und Zusammenhänge in Geschichte, Formeln in Mathe und Physik, Epochen und Autoren in Deutsch. Fang damit am besten an, sobald ein Thema im Unterricht abgeschlossen ist, und nicht erst kurz vor der Klausur. Dann hat die verteilte Wiederholung genug Zeit, ihre Wirkung zu entfalten.
Fürs Abitur lohnt es sich, pro Fach ein eigenes Kartenset anzulegen und die Themen der Halbjahre nach und nach einzupflegen. Wenn du dich auf eine mündliche Prüfung vorbereitest, kannst du außerdem mögliche Fragen der Prüfenden auf Karten schreiben und die Antworten laut üben. Wie das geht, erklärt der Guide zur mündlichen Prüfung. Lehrkräfte können Kartensets an ihre Klasse verteilen, mehr dazu unter Lehrkräfte.
Karteikarten drucken und schneiden
Du arbeitest lieber mit echten Karten in einem Karteikasten? Dann musst du keine Karteikarten kaufen und von Hand beschriften. EasyPalmCards druckt mehrere Karten auf ein A4-Blatt, die du nur noch ausschneidest, zum Beispiel im klassischen Format A6 oder kleiner im Format A7 für Vokabeln. Beim beidseitigen Druck landen die Antworten genau auf der Rückseite der Fragen. Wenn dein Drucker keinen Duplexdruck kann, wählst du die Option zum Falten: Dann stehen Vorder- und Rückseite nebeneinander und du knickst das Blatt in der Mitte.
Tipp: Etwas dickeres Papier macht die Karten haltbarer. Ein Schuhkarton mit Pappstreifen als Trennwänden reicht als Karteikasten völlig aus.
KI und Karteikarten
Die KI kann dir beim Start helfen: Aus einem Kapitel oder deinen Notizen schlägt sie Fragen und Antworten vor, die du danach anpasst. Das spart Zeit, wenn viel Stoff auf einmal kommt. Denk aber daran, dass das Schreiben der Karten selbst schon Lernen ist. Beim Auswählen und Umformulieren verstehst du, worauf es ankommt. Nutze die KI deshalb als Entwurf, nicht als Abkürzung, und prüf jede Antwort, bevor sie in deine Lernkartei wandert. Wie viel KI in Free und in Gold enthalten ist, steht auf der Seite Preise.
